Wie wichtig ist der Autor eines Buches?

Am Montag stellte Antonia diese Montagsfrage und nach langer Zeit nehme ich auch mal wieder daran teil.

Die Frage hat mehre Interpretationsebenen.
Als sie in meinem Feed auftauchte, dachte ich erst an die technische Seite: Der Autor liefert die Geschichte und dann gibt es mehr oder weniger Leute, die sie bearbeiten (Lektor, Grafiker, Marketingmitarbeiter etc.). Wie wichtig der Autor im Verhältnis ist, wäre dann vielleicht eine interessante Frage Die Antwort darauf würde ich aber viel lieber lesen, als selbst zu beantworten -zumal ich es auch gar nicht könnte.

Es wäre auch möglich, die Frage so zu verstehen: Wie wichtig ist dem Leser die Biografie des Autors bei der Lektüre des Buches?

Oder zielt es auf die Deutungshoheit des Schriftstellers über die von ihm geschriebene Geschichte ab? Ist die Meinung des Autors nach der Veröffentlichung noch wichtig? Auch hier finde ich zwei mögliche Ansätze für eine Antwort. Zum einen die Interpretation der Geschichte: Ist eine Rose eine Rose oder meinte der Autor mit Rose etwas anderes? Zum anderen: Können fremde Autoren oder Fans die Gesichte aufgreifen und weitererzählen, obwohl der Schöpfer per Tweet ganz andere Pläne verkündet?

Nach der Veröffentlichung ist das Buch zur Interpretation freigegeben, so lautete ein Satz meiner ehemaligen Deutschlehrerin. Gemeint hat sie damit wohl die Theorie vom Tod des Autors. Ob das wirklich der Fall war, weiß ich nicht und ich habe auch erst im Rahmen der Montagsfrage namentlich von dem Essay und der Theorie gehört. Allerdings deckt sich das, was ich darüber gelesen habe, mit dem was ich darüber gelehrt bekam.
Der Ansatz gefiel mir damals und ich hatte ihn nicht hinterfragt. Es passte auch. Herr der Ringe eine Geschichte über Freundschaft, das Überwinden eigener Grenzen und die Verlockung des Bösen.
Aber ging es wirklich darum? Waren die Orks nicht vielmehr Stellvertreter für die Deutschen im 2. WK? Ein Epos über den Weltkrieg in einem Fantasy Gewand?  Diese Interpretation hielt sich lange, auch wenn Tolkien dem immer widersprach. Warum die Geschichte so gedeutet wurde, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht wollte man einem Werk aus dem belächelten Fantasy Genre eine gesellschaftliche Relevanz verleihen? Stichwort E- und U-Literatur? Vielleicht konnten sich die Kritiker aber nicht von Überbleibseln des Biographismus lösen? Also der Ansicht, dass sich das Werk eines Schriftstellers erst durch die Kenntnis seiner Biographie offenbart.

Nach meinem Wissen hat Tolkien jegliche Allegorie zu realweltlichen Ereignissen und Orten bestritten. Sein Ziel war es, eine angelsächsische Edda zu schaffen. Mythen und Legenden die er Britannien schenken wollte. Allerdings räumte er ein, dass seine Erfahrungen, die er während des 1. Weltkrieges machte, mit einflossen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass eine Geschichte offensichtlich missinterpretiert werden kann, selbst wenn dessen Urheber versucht dem entgegenzuwirken. Ist das schädlich? Sicher nicht, spielt es doch für das Lesevergnügen des einzelnen keine Rolle. Inwieweit der Autor an Wichtigkeit einbüßt, wenn er sie denn je besaß, hängt vom Lesenden ab. Ich halte die Biografie für nicht unwesentlich, bewerte diese aber auch nicht über. Erfahrungen formen Menschen und damit auch Schriftsteller.

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