Kôji Suzuki – The Ring

Bevor ich zum Inhalt komme, gibt es zwei Sachen, die mir aufgefallen sind. Das Cover: Der neue Meister der Spannung – Japans Antwort auf Stephen King. Das Verlage ihre Bücher auch vermarkten, ist klar. Somit ist der erste Satz geschenkt, aber der Vergleich mit Stephen King ist nervig. Das Buch ist nun fast 20 Jahre alt und damals war das vielleicht clever, weil Kings Bücher ebenfalls bei Heyne erschienen. Eine Art Crossmarketing.  Keine Ahnung. Aber The Ring und Kôji Suzuki haben nichts mit King zu tun. Das Buch ist spannend, die Geschichte verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten, Suzuki ist kein Vielschreiber und bei weitem weniger erfolgreich, wenn man nur die Auflagenzahlen vergleicht. Die Leute die King lieben, werden hier wahrscheinlich nicht glücklich und diejenigen die King eher ungut finden, könnten abgeschreckt werden. Daher wohl auch die Weisheit, dass man ein Buch nie nach seinem Umschlag beurteilen soll.

Zweiter Punkt sind die Rechtschreib- bzw. Setzfehler. Insbesondere im ersten Drittel. Im späteren Verlauf habe ich es nicht mehr bemerkt. Ich bin kein Pedant, ich überlese die meisten reinen Rechtschreibfehler, aber wenn es mich ständig aus dem Lesefluss reißt, ist es ärgerlich.

Inhaltlich geht es um einen Journalisten, der mehr oder weniger durch Zufall auf die Tode vierer Schüler aufmerksam wird. Alle starben zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten an einem Herzversagen. Er recherchiert und findet eine Gemeinsamkeit: Die Jugendlichen haben sich zusammen ein Video angesehen. Nachdem auch der Reporter den Inhalt des Films kennt, beschleicht ihm die Angst, dass es in irgendeiner Weise mit dem Tod der Heranwachsenden zu tun hat und er vielleicht auch sterben könnte.

TitelThe Ring (jap. Titel: Ringu)
AutorKôji Suzuki
Übersetzer(aus dem Amerikanischen) Bernhard Liessen und Katrin Marburger
Seiten301
ISBN978-3453866799
VerlagHeyne
ErschienenFebruar 2003

— Spoiler —

Der Journalist Asakawa Kazuyuki wird mit seinem Tod konfrontiert, denn der Film ist ein bildgewordener Fluch, den er brechen muss. Die Spannung wird auch dadurch erzeugt, dass es ein enges Zeitfenster für das Lösen des Rätsels gibt. Asakawa weiß sich nicht zu helfen und bittet einen alten Bekannten um Hilfe. Ryuji Takayama ist Professor an der Universität und kennt sich mit Parapsychologie aus. Auch er sieht sich die Kassette an und ist fasziniert von dem Rätsel. Der Druck auf Asakawa wird zusätzlich erhöht, als auch seine Frau und seine kleine Tochter das Video sehen.

Im Laufe der Recherche stellt sich heraus, dass es sich bei den Bildern des Films um die Gedanken von Sadako Yamamura handelt. Diese war ein Medium, wie auch ihre Mutter. Als Sadako starb empfand sie solchen Hass auf die Welt, die so ungerecht zu ihren Eltern und ihr selbst war, dass sich die Rachegedanken auf das Magnetband der Kassette manifestierten. Jeder der dieses Viedeo sieht, stirbt innerhalb von sieben Tagen, sofern er den Film nicht weiterverbreitet.

Das Buch wirft interessante Fragen auf. Es handelt sich nicht um ein philosophisches Werk, aber eine Grundfrage ist: Würde man seine Familie oder Freunde bewusst einem tödlichem Ereignis aussetzen, um die Menschheit zu retten? Würde ich mir ein Video ansehen, welches den Warnhinweis hat, es unter keinen Umständen anzusehen? Letzteres kann ich mit Ja beantworten, habe ich doch regelmäßig FSK Einstufungen als Minderjähriger missachtet.

Die Geschichte bleibt durchgehend fesselnd. Was auch an der Dichte liegen mag. Es sind nur wenig mehr als sieben Tage, die geschildert werden. Dazu kommt aber der fokussierte Stil. Lediglich zum Schluss fiel es mir etwas schwer, da es meiner Ansicht nicht schnell genug zur Auflösung kam und ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Was etwas Gutes ist.
Wie wahrscheinlich alle Romane mit einem technischen Standard, der lange, lange her ist, altert dieser Werk ebenfalls sehr. Millennials dürften kaum noch Videokassetten kennen, das Buch erschien 1991. Und so ist die ganze Prämisse des Films, nämlich die Verbreitung einer VHS, etwas, dass schon als Zeitdokument gelten könnte.

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