Meines Vaters Land – Wibke Bruhns

Meines Vaters Land . Wibke BruhnsMeines Vaters Land ist bereits 2004 erschienen und erst im letzten Jahr kam das Hörbuch heraus. Ein Glück für mich, denn obwohl ich das Buch damals lesen wollte, ist der Titel in meiner want-to-read-Liste untergegangen.
Damals war Bruhns Familiengeschichte ein Bestseller, wie ich nach dem Hören weiß, mit Recht.

Wibke Bruhns, geborene Klamroth, war die Tochter von Hans Georg Klamroth, einen Mitwisser des Attentats vom 20. Juli. Das Ende ist bekannt: Die Verschwörer wurden nach einen demütigendem Prozess gehängt. Bruhns war da nicht einmal sechs Jahre alt.

In Meines Vaters Land zeichnet Bruhns die Geschichte der deutschen Familie derer von Klamroth nach. Deutsch, das ist wichtig, denke ich. Im faschistischen Italien oder Spanien gab es wohl andere Geschichten. Diese zumindest beginnt weit vor den Weltkriegen, in einer Zeit, in der das Reich prosperiert, Uniformen und Standesdunkel vorherrschen. In dieser Zeit sind die Klamroths erfolgreiche Kaufläute in Halberstadt. Und trotzdem reicht es nicht für die höchsten Kreise. Die bleiben dem Adel oder Offizieren vorbehalten. Sie werden Offiziere. Kurt, Hans Georgs Vater und er selbst. Zudem sind beide jeweils zu ihren Zeiten Stadträte, engagieren sich und nehmen die unternehmerische Verantwortung für ihre Angestellten ernst. Es ist für mich schon verblüffend, wie die Gesellschaft sich nach militärischen Regeln zu ordnen weiß. Sozialer Status ist stärker vom Dienstrank als vom Besitz abhängig und es gehört sich einfach für seine Bediensteten da zu sein. So etwas lese ich immer wieder, nicht nur in Bruhns Buch. Anfangs fragte ich mich: Wie konnte ein so entwickeltes und zivilisiertes Land Zentrum des Holocausts werden? Mittlerweile denke ich, genau diese gesellschaftliche Struktur war dafür verantwortlich. Das Streben nach sozialer Anerkennung und Versprechen diese zu erfüllen, hatten zumindest Anteil daran.

Wibke Bruhns
Wibke Bruhns im März 2012 auf der Leipziger Buchmesse
Copyright: Das blaue Sofa / Club Bertelsmann unter CC BY 2.0

Kurt, HGs Vater (Bruhns nennt ihren Vater HG), und er selber nehmen dann auch am 1. Weltkrieg teil, glühende Kaisertreue, übertriebenes Sendungsbewusstsein und deutsche Arroganz inbegriffen. Doch als der Krieg ins Stocken gerät macht Kurt eine Wandlung durch und stellt die Kompetenz der Führung infrage. HG macht diese Erfahrung erst im nächsten Krieg.

Das Buch ist eine Reise in die Vergangenheit. Durch die persönlichen Schilderungen aus Tagebucheinträgen und Briefen, fühlte ich als Leser mit. Immer hoffend, dass es doch ein ganz anderes Ende geben könnte. Kann es natürlich nicht. Trotzdem ein wunderbares Buch über den Zeitgeist der damaligen Epoche.

Bruhns arbeitete beim ZDF und war die erste weibliche Moderatorin einer Nachrichtensendung. Für den Stern war sie lange Jahre in Israel und den USA als Korrespondentin tätig. Am 20. Juni 2019 starb sie in Berlin.

TitelMeines Vaters Land
AutorinWibke Bruhns
SprecherinSimone Kabst
Dauer14 Stunden 27 Minuten (ungekürzt)
ISBN9783844928068
VerlagHörbuch Hamburg
Erschienen07/2021

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