Spätsommerpause

Jaja, schon wieder Pause… Aber bevor ich halbherzige Beiträge produziere, von denen es ja schon ein paar gab, verabschiede ich mich noch einmal in eine längere Abwesenheit. Schätze es wird wohl erst wieder etwas neues zum Horroktober geben.

Bis dahin
Sorben

Cymothoa exigua in the Bay

Im Moment geht meine Freizeit für die Vorbereitung für Abenteuern drauf. Und auch für das Lesen in Cthulhu Quellenbüchern. Ich muss gestehen, dass mich die Bücher immer noch abholen, ob die alten oder die neuen. Es macht Spaß. Demnächst leite ich meine erste Runde online und für Halloween ist auch eine Session am Tisch geplant.

Dabei kommen andere Medien nicht zu kurz. Als ich folgenden Tweet sah (und einige Retweets dazu) musste ich mir unbedingt The Bay ansehen:

Der Film ist dadurch schon wieder durch die Realität etwas weniger gruselig. Scheinbar. Denn als ich etwas mehr zu den Hintergründen gelesen habe, stieß ich auf einen wirklich miesen kleinen Parasiten.

Aber kurz zum Inhalt. In der kleinen Stadt Claridge leben die Menschen vom Tourismus und einer großen Geflügelmaßentierfarm (gibt es das Wort?). diese wiederum leitet ihre Abwässer in die Bucht, in der die Stadt liegt. Nachdem eine Wasserfilteranlage gebaut wurde, fühlen sich die Einwohner allerdings sicher. Als dann ein Massensterben der Fische einsetzt, Vögel tot vom Himmel fallen und schlussendlich die Menschen krank werden und sterben, qualvoll!, beginnt man, sich zu fragen, was da so schief läuft. Einige Jahre vorher, gab es nämlich ein Reaktorunfall und irgendwie ist die Kombo aus Hühnermist und radioaktiver Strahlung dafür verantwortlich, dass ein kleiner Parasit, Cymothoa exigua, mutiert ist und sich auch Menschen als Wirt sucht. Über den Film schreibe ich sicher noch ausführlicher, interessant und auch erwähnenswert fand ich aber, den Parasiten Cymothoa exigua. Dieser ist nämlich echt gruselig. Er niestet sich an der Zungenwurzel des Fisches ein, ernährt sich von dessen Blut und wächst. Er wächst solange bis die Zunge des Wirtsfisches abstirbt, sobald dies geschieht, übernimmt die Assel die Funktion des Körperteils, um so seinem Opfer das Weiterleben zu ermöglichen. Ist einzigartig in der Biologie und schaurig, möchte ich meinen. Erst mit diesem Wissen, finde ich The Bay tatsächlich ein wenig gruseliger.
Wiki Eintrag zu dem kleinen Schelm

So, Cthulhu ruft 🙂

Was ist Horror?

Hor·ror
/Hórror/ Substantiv, maskulin [der]

1. auf Erfahrung beruhender, schreckerfüllter Schauder, Abscheu, Widerwille [sich mit etwas zu befassen]
„einen Horror vor etwas, vor bestimmten Leuten haben“

2. UMGANGSSPRACHLICH EMOTIONAL VERSTÄRKEND
schreckerfüllter Zustand, in den jemand durch etwas gerät
„die Mückenplage war ein Horror“

— In diesem Beitrag werden achtbeinige Krabbeltiere erwähnt! —

Was ist eigentlich Horror? Dabei stelle ich nicht die Genre-Frage, sondern will die Essenz dieses Begriffs aufspüren. Horror, das lese ich bei der obigen Definition, die Google ausgibt, ist etwas Subjektives. Etwas, dass auf Erfahrung beruht. Immer?
Eine Szene, wie sie tausendfach in der Filmgeschichte gedreht wurde: Eine Person steht an der Treppe, die in den Keller führt. Es ist dunkel, vielleicht steht ein geliebter Mensch dicht neben dem armen Charakter, drückt fest seine Hand, während dieser vergeblich versucht, das Licht anzumachen. So oft gelesen oder gesehen und fast nie ging es gut aus. Aber selbst wenn diese spezifische Darstellung nicht in unser Hirn gebrannt und mit Unheil verbunden wäre, würde es Heiterkeit oder doch eher Schauder hervorrufen? Gibt es also so eine Art kollektive Erfahrung, die uns gruseln lässt? Lovecraft schrieb den berühmten Satz:

Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten.

H. P. Lovecraft: Supernatural Horror in Literature, S. 12

Es gibt eine Urangst. Vor dem Tod, der Vergänglichkeit oder dem Unbekannten, ist im Prinzip das Gleiche. Daraus entstehen alle anderen Ängste und jeder bildet seine eigenen aus. Während einige Menschen Spinnen absolut beängstigend finden, ist für andere die Existenz einer schlafenden Gottheit unter dem Meer fürchterlich. So kann für den einen der Film Arachnophobia Horror sein, während ein anderer ihn als schrägen Tierfilm abtut.

Angst und Furcht sind Begriffe, die man mit Horror verbindet. Nebenbei bemerkt habe ich viele interessante Artikel zur Unterscheidung von Angst und Furcht im Deutschen und in anderen Sprachen gefunden, das ist aber ein Thema für einen eigenständigen Beitrag. Bleiben wir erst einmal bei dem Begriff Angst. Muss Horror immer Angst auslösen?

Nein und das ist vielleicht einer der größten Irrtümer, dem manche unterliegen. Wer kennt nicht solche Aussagen wie: Das ist ja kein Horror oder das ist kein richtiger Horror? Die Intention ist hier wohl weniger Gatekeeping und nur manchmal, um verbal anzuzeigen, was für ein harter Knochen man ist. Menschen haben unterschiedliche Blickwinkel auf bestimmte Dinge, Beispiel Arachnophobia,.

Horror kann aber, wie oben in der Definition geschrieben, auch ein Gefühl der Abscheu oder des Widerwillens sein. Der Film Saw (oder die Reihe) ängstigt einen vielleicht weniger, als dass man die Vorstellung sehr ekelhaft findet, wie sich jemand ein Körperteil absägt oder das Blut oder die Infektionsgefahr und ich will es damit nicht ins Lächerliche ziehen. Der Film kann auf mehreren Ebenen funktionieren. Ich finde allerdings alle langweilig. Und ja, ich würde auch sagen, das ist kein Horror, das ist Crap. Und ich will nicht gatekeepen oder den harten Knochen raushängen lassen, ich sage es, weil ich es so empfinde.

Also ein ganz wichtiger Punkt: Horror ist, was wir für Horror halten. Ganz individuell.

Kann man trotzdem einen Punkt festmachen? Also den kleinsten gemeinsamen Nenner, etwas, das Horror definitiv enthalten muss? Vielleicht.
Was unterscheidet Hitchcocks Die Vögel von der besagten Mückenplage oder deutlicher: Hannibal Lecter vom Kannibalen von Rotenburg?
Die Fiktion! Es passieren viele schreckliche Dinge auf dieser Welt, die wir umgangssprachlich als Horror bezeichnen, einfach, weil uns vielleicht die Superlative für derartige Ereignisse ausgegangen sind. Wir können aber unterscheiden zwischen Realität und Fiktion. Der Tod eines geliebten Romanhelden wird uns nie so mitnehmen, wie der eines Bekannten. Auch wenn wir in beiden Fällen Trauer empfinden.

So ist es auch mit dem Schrecken. Überdies gehört Horror rein als Sparte des kulturellen Schaffens zur Phantastik und die ist per Definition fiktional. Die Begründung ist jetzt lahm, ich weiß…

Warum konsumieren wir dann überhaupt Horror? Eigentlich müssten doch die Nachrichtensendungen reichen. Jeden Abend eine kleine Dosis menschlicher Eskalation mit räumlicher und emotionaler Distanz und eine ganze Film- und Literatursparte wäre überflüssig? Vielleicht aus dem Grund, der Leute dazu veranlasst keine Achterbahn auszulassen und trotzdem nicht auf der Autobahn Schlangenlinien zu fahren. Schrecken ohne wirkliche Gefahr, Kribbeln ohne Reue. Wirkliche Ereignisse, so fern sie auch sein mögen, nehmen uns mehr mit als fiktive. Unser Hirn kann das schon richtig einordnen, der Körper braucht mitunter eine Weile. Ich habe das einmal selbst erlebt. Also eine körperliche Reaktion. Ganz anderes Genre. Bei dem Buch Feuchtgebiete kam mir das ein oder andere Mal der Würgereiz. Ein gängigeres Beispiel für die meisten sind wohl sehr emotional aufgeladene Filme, bei denen die Tränen kullern. Gefühle sind immer echt, auch wenn es die Auslöser nicht zwangsläufig sein müssen. Nur denke ich, können wir fiktive Quellen besser verarbeiten. Meistens.

Wir lesen also ein Buch, sehen einen Film, um uns selbst ein angenehm gruseliges Gefühl über den Rücken zu jagen, wohl wissend, dass wir in Sicherheit sind.

Aus diesem Grund spielen manche auch Spiele wie Call of Cthulhu. Ich nenne es stellvertretend für alle Spiele des Genres, hier aber auch speziell als Pen&Paper. Persönlich war ich nie so tief in einer Runde drin, dass es mir die Haare aufstellte. Auch in atmosphärisch stimmigen Sessions. Dennoch weiß ich, dass Bilder im Kopf entstehen können, die unweigerlich zu einem unangenehmen Gefühl bei dem Spieler führen. Jemanden, der unter Arachnophobie leidet (ich verwende leidet, weil es für den betroffenen wirklich schlimm sein kann), kann man kein Abenteuer mit Spinnen vorsetzen. Der Grad zum Unangenehmen ist dann überschritten. Das kann aber auch bei weniger offensichtlichen Inhalten sein. Blut, Fäkalien, Tierquälerei. Die Grenze, bei der etwas schön schaurig ist oder zu einer unangenehmen Situation wird, ist individuell und muss bei Spielen vorher abgeklärt werden.

Dabei hat der lovecraftsche- oder kosmische Horror gute Voraussetzungen. Er ist sehr selten explizit und bei Pen&Paper-Runden kann der Spielleiter ihn ohnehin lenken. Zum Beispiel, was den Schlittenhunden in der Kampagne Berge des Wahnsinns widerfährt, beispielhaft zum Thema Grausamkeit gegenüber Tieren und wie man sie darstellt. Es braucht kein Blutbad, um die Geschichte voranzubringen. Ich bin grundsätzlich kein Freund ausschweifender Beschreibungen von Gewaltexzessen. Zugegeben, manchmal mag etwas Splatter auch situationsbedingt witzig sein oder halloweenmäßig irgendwie dazugehören. Aber ich erinnere mich allerdings noch an das Buch Willkommen in Hell, Texas von Tim Miller. Ich hab es  nach der ersten ausführlichen Beschreibung einer Vergewaltigung entsorgt. Ich war etwas überrascht, dass Bücher, die aus einer Aneinanderreihung von Schmutz bestehen, eine derartig gute Bewertung haben. Gibt es eine objektive Abgrenzung von guten und schlechten Gewaltdarstellungen? Oder wie weit darf etwas gehen, um nicht als geschmacklose Torture-Porn-Grütze zu gelten?

Horror ist also ein persönliches Empfinden von Schauer oder Abscheu, er ist fiktional oder wir ordnen ihn zumindest so ein, um ein wohliges Gefühl zu bekommen.

Ich komme also zu der Definition, die ganz oben steht nur mit viel mehr Wörtern…
Und was zeichnet den kosmischen Horror aus? Das ist ein Thema für einen anderen Artikel…

Was hier los?

Nur kurz. Ich habe, so wie ich es schon länger geplant hatte, die Blogs (die Blöge?) Gelbe Zeichen und den, der danach folgte, zusammengelegt. Auch wenn alles noch nicht so rund läuft. Unter anderem, weil einige Plugins veraltet sind. Die Linklisten findet man, bis alles wieder schick ist, auf dementophobia/gelbezeichen. Ich lese tatsächlich auch grad meine Beiträge aus grauer Vorzeit, um mir vielleicht das eine oder andere in Erinnerung zu rufen.

So long
Sorben, Master of Chaos 😉

Ein Neuanfang

In den letzten Tagen habe ich öfter an die Sopranos und Steven van Zandt gedacht. Eine dieser Szenen in der er als Silvio Dante gebeten wird Al Pacino zu imitieren. Silvio lässt sich nicht lange bitten und gestikuliert und zitiert dramatisch:

Just when I thought I was out, they pulled me back in.

oder auf deutsch (so wie ich es auch gesehen habe): Grade als ich dachte, ich bin raus, ziehen sie mich wieder rein.

Vielleicht habe ich irgendwo und irgendwann einmal geschrieben, dass Pen&Paper für mich gestorben sei. Das stimmte zu dem Zeitpunkt auch. Es war aber nie deswegen so, weil ich das Hobby blöd fand, vielmehr ist das Lesen von Regelwerken ohne eine regelmäßige Runde (oder überhaupt einer Runde) kein Pen&Paper für mich. Bevor ich also immer wieder auf einen Abend wartete, der nie kommen würde, habe ich komplett aufgegeben. Ich versuche, konsequent zu sein.

Da war so ein Kratzen. Rollenspiel ist eine geile Sache. Gut, nicht für jeden, aber für diejenigen, die es geil finden, ist es geil. Ich kann es nicht anders ausdrücken. Und manchmal vermisst man etwas, ohne genau benennen zu können, was es ist. Ich weiß nicht wieso, aber in der letzten Woche habe ich wieder einige Runden auf Youtube gesehen und mir gedacht, man kann Pen&Paper doch auch online spielen Ja, ich weiß. Nach 10 Jahren Roll20

Lieber spät als nie. Diese Euphorie, als entdeckte man zum ersten Mal das Internet und dessen Möglichkeiten. Eine ganz neue Welt. Aus mir spricht im Moment nur die Begeisterung. Warum ich mich damit nicht früher auseinandergesetzt habe, weiß ich nicht. Wie dem auch sei, ich habe mich bei Roll20 angemeldet und sogar schon meine erste Runde Cthulhu hinter mir. Natürlich etwas holprig, ganz neu auf der Seite, erste Runde seit Jahren, man kennt sich nicht und kommt in eine laufende Kampagne. Egal, das wird besser und ich will mich auch mehr in die Technik beziehungsweise deren Möglichkeiten reinfuchsen, um vielleicht selber Spiele zu leiten, was mir eigentlich auch mehr Spaß macht 🙂

Reset. In den vergangenen Jahren ist das eine oder andere passiert. Pathfinder ist in der 2. Edition erschienen Gut, das ist für mich im Moment das entscheidende gewesen, mit einem neuen System anzufangen. Pathfinder war lange Zeit neben Cthulhu mein System, ich mochte es, aber ich empfand es mit der Zeit zu groß, zu mächtig, zu ausgefranst. Sich da wieder einzulesen und mehrere Regalmeter vor sich zu haben (virtuell), hat mich fast erschlagen (mental). Welches System also zum Neuanfang nehmen? Nach allen Überlegungen bin ich bei D&D gelandet. Der Gedanke, wieder in den Vergessenen Reichen unterwegs zu sein, war mehr als ansprechend. Und D&D soll ja auch ganz gut sein.

Also habe ich fix das Basisset gekauft. Dabei habe ich mit mir gehadert. Basisset vs. Einsteigerset Letztendlich ist es neuere Box geworden. Sofern man den D&D Newsletter abonniert, erhält man ohnehin eine digitale Version des Basissets und spart aktuell 30 €, die man für das Grundregelwerk ausgeben kann.

Im Moment lese ich mich also grade in die Abenteuer und Regeln ein und werde in den nächsten Tagen Roll20 genauer ansehen, um demnächst vielleicht ein Einsteigerabenteuer zu leiten. Nice.

Kurzes Hallo

In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken gemacht. Wie der Blog künftig befüllt werden soll und allgemein zum Thema Horrorliteratur. Was ist Horror eigentlich?

Horror war übrigens auch, auf das Datum des letzten Beitrages zu schauen und mich zu fragen, wo die letzten Wochen geblieben sind. Aliens, DimensionsrissKryokammer? Alles denkbar. Tatsächlich kämpfe ich grade aber mit einer der stärksten allergischen Reaktion auf Gräser, die ich bis dato hatte. Dieses Jahr scheint auch niemand in der Gegend aktiv seinen Garten zu pflegen und alles sprießt und wuchert, ob es deswegen so schlimm ist, weiß ich nicht, ich habe aber einen Grund zum Meckern

Den Urlaub habe ich genossen, naja bis auf die letzte Woche (siehe oben). Ich habe mir mal wieder John Sinclair angehört, zwar bin ich noch nicht komplett durch, aber weiter als je zuvor. Ich werde demnächst berichten. Es haben sich auch ein, zwei Bücher hier verirrt, die noch gelesen werden wollen. Zum Lesen bin ich weniger gekommen oder ehrlich gesagt: Ich hatte wenig Lust. An den wirklich heißen Tagen wollte ich nur noch im Schatten liegen und nichts tun.

Es fängt wieder an in der Nase zu kribbeln und ich werde meine dritte Nasendusche für heute bereit machen. Ich hoffe, dass es die nächsten Tage besser wird und ich zum Schreiben komme.

So long!

Sommerpause ’22

Ich bin erst einmal weg… 😉 Tatsächlich nehme ich mir sechs Wochen frei, somit bin ich am 6. Juli wieder zur Stelle. Ab und an setze ich wohl ein Lebenszeichen ab. Ich wünsche allen einen schönen Juni und bis demnächst!

Lovecraft Letters – Christian Gailus

Ray Berkeley ist ein Psychologe und Berater einer Anwaltskanzlei als ihn ein Fall aus der Bahn zu werfen scheint. Für ein Gutachten setzt er sich dem gleichen Stress aus, wie dem eines Mandanten und legt nach und nach ganz neue Wesenszüge an den Tag. Aus seinem beschaulichen Alltag wird eine Welt aus Monstern, die um die Vorherrschaft kämpfen.

Bei dem Titel hatte man mich bereits. Dieser versprach eine gewisse Art des Horrors, des wohligen Gruselns, welches ich so mag. Was mich anfangs etwas abschreckte war, dass es sich um acht Teile handelte und wenn ich eines hasse, dann erste Teile, einer Reihe, die ich nie beenden werde. Das Komplettangebot hatte ich anfangs nicht entdeckt und so kaufte ich lediglich die erste Folge. Ich fing öfter an zu hören. Es war tatsächlich aber nie wirklich so, dass ich gefesselt war. Etwas störte mich. Nachdem ich dann doch noch alle Folgen im Bundle für einen guten Preis entdecke, lud ich alles zusammen runter und fing erneut an.

Letztendlich will ich nicht allzu viele Worte über etwas verlieren, das mir nicht gefiel. Der Plot hat nur in Ansätzen etwas mit Lovecraft und seiner Geschichte The Hound zu tun. Auch wenn ständig versucht wird, eine Beziehung zur Person und Werk des Meisters herzustellen, wird weder stilistisch noch inhaltlich der Ton Lovecrafts getroffen. Das ist kein Punkt, der grundsätzlich negativ zu bewerten wäre. Dass der Protagonist aber ständig unsympathischer wird, ist schon bedauerlich. Die Wandlung von Ray ist ein wichtiger Teil der Handlung, die Kunst bestünde darin, dass der Leser, oder Hörer in diesem Falle, seine Handlungen nachvollziehen kann. Von einem unscheinbaren Weichei mit arroganter Attitüde entwickelt sich Ray zu einem fiesen unberechenbaren Arsch. Die Figuren sind allesamt langweilig, was man verschmerzen könnte, wenn es die richtige Mischung aus Stereotypen wäre.

Das Fazit ist, dass man die Story innerhalb kürzester Zeit vergisst. Nicht einmal extreme Lovecraft Fans kommen hier auf ihre Kosten. Das Hörbuch an sich ist sehr gut produziert und auch Uve Teschner als Sprecher ist sehr gut.

TitelLovecraft Letters - Die komplette Serie, Folge 1-8
AutorChristian Gailus
SprecherUve Teschner
Dauer27 Stunden und 28 Minuten (ungekürzt)
ISBN9783838794754
VerlagLübbe Audio
ErschienenKomplette Serie 04/2020
Einzelne Teile 10/2017-03/2018

Der Herr der Augenringe – Beard & Kenney

Eine Suche, ein Krieg, ein Ring – allein das sind Gründe, jede Hochzeit abzublasen. Und ein König ohne Königreich. Doch ein kleiner, haariger Held namens Frito ist bereit. Zumindest vorbereitet von Gutgolf, dem unglaubwürdigen Zauberer. Bereit zur einzig wahren Mission, die allein Niedermittelerde und die Boggies noch retten könnte. Denn die Horden von fiesen Narks und Trollen haben sich arg vermehrt, und Sauertopf ist nicht tot. Herr Dildo Windbeutel von Beutelsend meint, der Ring muss weg …
So die Beschreibung auf dem Buchdeckel.

Die ultimative Parodie von H. N. Beard und D. C. Kenny. So steht es unter dem Tittel.

Der Inhalt, wenn auch abstrakt, ist bekannt, sofern man Den Herrn der Ringe kennt. Und eigentlich kann man nicht wirklich von einem Inhalt sprechen; es sind zotige, aneinandergereihte Flachwitze, die bereits bei Erscheinen des Buches stumpf gewesen sein müssten. Humor ist ein ernstes Thema, darüber hinaus teilt nicht jeder den gleichen. Dass das Buch bei mir nicht zündet, muss also nichts heißen. Dass ich Parodien grundsätzlich nicht mag, kann ich nicht sagen, auch wenn ich die meisten von ihnen schlecht finde. Spaceballs ist eine Ausnahme, die meiner Meinung aber schlecht gealtert ist. Scary Movie fand ich beim Erscheinen albern, mittlerweile schmunzle ich darüber. Und Lord of the Weed – Sinnlos in Mittelerde finde ich sogar sehr witzig.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die deutsche Übersetzung von Margaret Carroux erfolgte, also der Übersetzerin der ersten deutschen Herr der Ringe Ausgabe. Doug Kenney und Henry Beard, also die Autoren, gründeten zusammen mit Robert Hoffman das Magazin National Lampoon. Somit nicht ganz unbekannt und als ich auf Netflix Eine nutzlose und dumme Geste sah, dachte ich wieder an dieses Buch und hab es nach mehreren Anläufen endlich geschafft. Bei 192 Seiten zwei Wochen, ist allerdings kein gutes Zeichen.

Selbst als Fan der Tolkien Bücher und Sammler von allem wo Mittelerde draufsteht, ist es eher uninteressant. Beim Lesen kam mir öfter der Gedanke, dass es 12. Jährige mit einen Zuckerschock geschrieben haben könnten.

TitelDschey Ar Tollkühn - Der Herr der Augenringe
(Bored of the Rings)
AutorHenry Beard & Douglas Kenney
ÜbersetzerMargaret Carroux
Seiten192
ISBN3442241774
VerlagBlanvalet
Erschienen0172001

Die neun Pforten

Ich starte hiermit den Auftakt zu einer losen Vorstellungsreihe von Filmen mit Johnny Depp. Ende der 90er, Anfang der 2000er fand ich so ziemlich jeden seiner Filme gut. Zum einen wegen seines unbestrittenen Talents, aber auch aufgrund deren Geschichten. Lange ist es her, dass ich die Filme gesehen habe und so dachte ich, schau ich sie mir noch einmal an und aus Spaß an der Freude ranke ich sie gleichzeitig.

Den Anfang macht der Film Die neun Pforten, ich habe den Roman Polanski Film bestimmt ein dutzendmal gesehen. Insbesondere als ich das cthuloide Rollenspiel für mich entdeckte, aber das ist eine andere Geschichte. Dabei ist der Plot der Geschichte ähnlich einer klassische Abenteuergeschichte aufgebaut. Der Protagonist Dean Corso (Johnny Depp) ist Antiquar und auf das Finden von seltenen Büchern spezialisiert. Er bekommt von dem Sammler und reichen Geschäftsmann Boris Balkan (Frank Langella) den Auftrag, eines seiner Neuerwerbungen auf Echtheit zu prüfen und mit zwei anderen Exemplaren zu vergleichen.

Es handelt sich dabei um Die neun Pforten ins Reich der Schatten, eine Anleitung für einen Pakt mit dem Teufel; verfasst von Aristide Torchia im Jahre 1666. Insgesamt haben nur drei Exemplare die Inquisition überstanden, aber keines scheint den Teufel hervorlocken zu können.

Die Geschichte schreitet voran und alles verdichtet sich. Corso  Jeder Moment des Films strahlt dabei diese wohlige, mysteriöse Atmosphäre aus. Das Geräusch, wenn durch das Buch geblättert wird, diese Sinnlichkeit, wenn die bloße Hand über den Ledereinband und die Seiten fährt, das ist ein Porno für Bibliophile. Aber keiner mit Gänseblümchen: Es wird geraucht und getrunken in der Nähe der Schätze, sie werden in Taschen gestopft, ihnen werden Seiten entrissen, ihr Rücken überstreckt oder ganz den Flammen übergeben.  Dabei geht es niemanden um die Bücher, weder Corso noch Balkan oder den anderen, die im Laufe des Films das Buch haben wollen. Es geht um das Wissen und die Geheimnisse, die zwischen den Deckeln stecken.

Johnny Depp, Lena Olin und Frank Langella sind dabei eine großartige Besetzung. Dem gegenüber ist Emmanuelle Seigner als das Mädchen etwas schwach, was auch an der Rolle liegen kann. Der Film beruht auf dem Buch von Arturo Pérez-Reverte mit dem Namen Der Club Dumas. An der Namensungleichheit mag man schon erkennen, dass es inhaltliche Abweichungen gibt. Der namensgebene Club kommt ebenso wenig wie Dumas Werk selbst im Film vor. Ich habe das Buch schon einige Male angefangen, aber bisher nicht beendet. Eine gute Gelegenheit dies nachzuholen. Den Schwerpunkt legt Polanski daher auf Die neun Pforten und schafft so einen herrlich unterhaltsamen Mysteryfilm für einen gemütlichen Abend.

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